Hintergrund: Hörverlust ist als somatischer Hauptrisikofaktor für das Erstauftreten der Symptomatik gut etabliert (1). Psychischer Stress spielt eine wichtige Rolle für symptomkorrelierten Leidensdruck und Symptomchronifizierung (2) Während das Risiko eines Hörverlusts mit zunehmendem Alter steigt sind Studienergebnisse zu Alter, individuell und multifaktoriell beeinflusster – psychischer Belastung uneindeutig.
Methode: 678 Menschen mit chronischem Tinnitus wurden audiologisch untersucht. Sie beantworteten außerdem Fragebögen zu allgemeiner Stressbelastung (PSQ), Angst und Depression (HADS) und Tinnitusdistress (TF). Mit deskriptiven und Mediationsanalysen wurde untersucht, ob und wie Alter, Hörverlust, Tinnitusdistress und allgemeine psychische Belastungen interagieren.
Ergebnisse: Alter korrelierte positiv mit Hörverlust (β = 0.45 [0.37; 0.49], t(676) = 12.91, p < 0.001) und negativ mit PSQ (β = −0.23, t(676) = −6.08, p <0.001). Mediationsanalysen zeigten, dass sich der Zusammenhang zwischen Alter und TF vollständig durch die Hörfähigkeit (b = 0.14, SE = 0.05, t = 2.9, p = 0.004), und teilweise durch emotionalen Stress (Effekt = −0.16, SE = 0.03,) und Angst (Effekt = −0.09, SE = 0.03) erklärte.
Diskussion: Über die Lebensspanne hinweg wird Tinnitusdistress von einem Zusammenspiel aus Hörvermögen und psychischen Belastungen beeinflusst. Therapien sollten die Interaktion aus Hörvermögen und emotionalem Empfinden in allen Lebensphasen berücksichtigen und psychische Belastungen individuell betrachten.
Biswas, R. et al. Low Evidence for Tinnitus Risk Factors: A Systematic Review and Meta-Analysis. J. Assoc. Res. Otolaryngol. 2023, 24, 81–94Boecking, B. et al. Chronic tinnitus: An interplay between somatic and psychological factors.
HNO2023,
71, 719–730
Nein